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    Refugees in Calais 2010

    April 28, 2017 · Reportage

    Europas illegalisierte Menschen

    Es ist der Sommer nach der Räumung der Flüchtlingcamps in 2009. Letzte Hürde Calais: das Tor nach England. Täglich versuchen Flüchtlinge sich unter oder in wartenden LKWs zu verstecken, um per Fähre nach England zu gelangen. Sie führen ein Leben mit der täglichen Angst vor Übergriffen der französischen Polizei (Compagnies Républicaines de Sécurité). Bis zu dreimal am Tag fällt diese mit bis zu 15 Mann in das Camp ein. Als Hauptargument nennen sie die Entnahme von Fingerabdrücken zur Registrierung der irregulären Migranten.

     

    Die Realität schaut jedoch anders aus. Ohne erkennbaren Grund wurden die Menschen geschlagen oder zwei Stunden entfernt von Calais ausgesetzt, ohne zu wissen, wo sie sich befanden. Ihre Schlafplätze sowie ihr Essen wurde mit Öl und anderen Flüssigkeiten verunreinigt, um diese nicht mehr Nutzen zu können.

    Die sudanesischen Männer erzählten mir von den Erlebnissen im Sudan und ihren langen, beschwerlichen Reisen. Mich beeindruckte der Zusammenhalt der circa 60 Sudanesen, der durch das tägliche gemeinsame Essen, wie auch durch die Angst vor den Übergriffen der franz. Polizei, gestärkt wurde. Sie teilten ihre Sorgen und Ängste, ihre Ratlosigkeit und ihre Hoffnung. Sehr grundlegende Bedürfnisse, die für mich selbstverständlich erschienen, waren im Camp nur schwer zu erreichen. Trinkwasser gilt als Mangelware, der Weg zur Essensausgabe der Organisation Salam war eine Odyssee und eine ärztliche Versorgung war kaum bis gar nicht vorhanden.

     

    Meine Erinnerungen an den Aufenthalt im Camp sind von sehr schönen Momenten geprägt: das gemeinsame Essen und der abendliche Tee an der Feuerstelle. Die Männer erzählten Geschichten, die spannender nicht sein könnten und trotz aller Tragödien und Strapazen erlebte ich viel menschliche Wärme und Zusammenhalt. Eine Parallelgesellschaft, die nicht von den Migranten ausgeht, sondern von den Regierungen der EU.